Freitag, 6. Juli 2007

The Sunshine Underground, Paris, 06.07.2007


Konzert: The Sunshine Underground

Ort: Paris (Solidays Festival)
Datum: 06.07.2007
Zuschauer: etliche Tausend


Etwas für die internationale Aids-Hilfe zu tun, ist ja an sich schon eine feine Sache, aber wenn man dazu noch ein ordentlich besetztes Festival geboten bekommt, ist das um so besser. Schon letztes Jahr hatte es mich auf die schöne weiträumige Anlage
(normalerweise finden hier in Paris-Longchamp Pferderennen statt) gezogen und ich erfreute mich an Acts wie z.B. We Are Scientists, den Zutons und Keane. Dieses Jahr war die Besetzung sogar noch deutlich besser, denn die Veranstalter hatten heute am ersten Tag u.a. die Editors und die Kaiser Chiefs an Land gezogen, morgen kommen u.a. !!! (chk chk chk) und Lily Allen und am Sonntag wird das Highlight von den liebenswürdigen und live hervorragenden Magic Numbers gesetzt werden.

Um die Kaiser Chiefs zu sehen, ließ ich sogar mein Ticket für den heutigen Tag beim gleichzeitig in der Normandie stattfindenden Festival in Evreux (1 Stunde von Paris entfernt) verfallen, wo Maximo Park Headliner waren...

Morgen werde ich zum Ausgleich dann nach Evreux zum "Rock dans tous ses états" pilgern und die Solidays finden ohne meine Beteiligung statt, aber man kann halt
leider nicht gleichzeitig auf mehreren Hochzeiten tanzen...

Zurück zum heutigen Tage: Der Zugang zum Festivalgelände gestaltete sich als äußerst zäh, wir warteten in der sengenden Hitze (die sich später wieder legte...) mit Sicherheit gut eine Stunde auf Einlass. Da ich letztes Jahr ähnliche Erfahrungen gemacht habe, kann ich nur jedem, der erwägt, die Solidays 2008 zu besuchen, raten, diese Zeit miteinzuberechnen!

Endlich auf der schönen Wiese vor der Hauptbühne angekommen, quälten uns dann zunächst die ziemlich scheußlichen Fatals Picards mit ihrer Musik und einigen nicht sonderlich lustigen Sprüchen. Beispiel gefällig? "Hat jemand von euch Aktien und trägt eine Brille?" - "Dann bitte jetzt mal weghören!", alberte der Sänger der Kapelle
herum und wollte sich damit beliebt machen. Wie bitte? Eine Band, die beim kommerziellsten und musikalisch schlechtesten Wettbewerb, nämlich dem Eurovision Song Contest teilgenommen hat, macht hier auf links und antikapitalistisch? Wenig glaubwürdig...

Zum Glück hatte das Grauen bald ein Ende und wir pilgerten zur Bühne "Phenix", einem mittelgroßen Zelt, wo die Engländer The Sunshine Underground auftreten sollten. Auf dem Weg dorthin
schallte uns schon einer ihren größten Hits "Put You In Your Place" vom Debütalbum "Raise The Alarm" (benannt nach einem Song der Chemical Brothers), entgegen.

Unglaublich, dachte ich mir, die legen ja los wie die Feuerwehr! Aber auch das anschließende "I Ain't Losing Any Sleep" hatte es in sich und animierte zum Tanzen. Schließlich wird die Band aus Leeds ja nicht zu unrecht unter die Kategorie New-Rave gefasst, obwohl das elektronische Element zum Großteil im Einsatz von Kuhglocken liegt. Letztendlich machen sie einen tanzbaren
Indie-Rock mit funkigem Einschlag, ähnlich wie "The Rapture" oder CSS, mit denen sie schon auf einer vom NME organsierten Veranstaltung getourt sind. Aber auch von den Killers hat die vierköpfige Band einiges, was zum Großteil an der Ähnlichkeit der Stimmen von Craig Wellington (The Sunshine Underground) und Brandon Flowers (The Killers) liegt. Dennoch sollte man sie nicht als bloße Klone oder Kopierer anderer aktueller Bands einstufen, denn ihr Sound hat doch auch eigenständige Elemente zu bieten und vor allem der leicht pummelige Sänger Craig ist ein veritables Energiepaket! Wenn der auf seine Cowbells einprügelt, geht es nämlich ganz schön zur Sache! Zudem bewegt er sich wie von der Tarantel gestochen und läßt seine Gitarre das ein oder andere Mal aufheulen. Größter Pluspunkt ist aber seine durch Mark und Bein gehende Stimme, die vergisst man nicht so schnell...

Zusammen mit den markanten Bassläufen von Daley Smith und den melodischen Gitarrenklängen von Stuart Jones ergibt sich so eine festivaltaugliche Musik, die einem das Warten auf die ganz großen Headliner erträglich macht. Neben Hits des alten Albums hatte das Quartett auch schon neue Stücke im Gepäck, die bereits gut ankamen. Die größten Zugnummern waren aber erwartunsgemäß bekannte Songs, wie "The Way It Is" und vor allem "Commercial Brakdown". Bei letztgenanntem Lied immer wieder bemerkenswert: die Textzeile, "so i tell my problems, you never gonna get me, cause i'm too busy"...

Den Abschluss bildete schließlich "Raise The Alarm", bei dem die Band noch einmal alles in die Waagschale warf und Craig die Kuhglocken ordentlich massakrierte. Die Band schien mit der Resonanz sehr zufrieden zu sein, sie ließen sich - den jubelnden Fans den Rücken zugewandt - allesamt photographieren und der Sänger warf seine Wasserflasche übermütig ins Publikum.

Alles in allem ein guter Aufgalopp in den Festivaltag auf der Rennstrecke von Longchamp!

Setlist The Sunshine Underground Solidays Paris:

01: Wake Up
02: Put You In Your Place
03: I Ain't Losing Any Sleep
04: Fall In Line (neu)
05: Borders
06: You Never Party
07: The Way It Is
08: Baggy (neu)
09: Commercial Breakdown
10: Raise The Alarm

Links:

- The Sunshine Underground 2 x an einem Tag 2007 in Paris



 

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